ADHS kommt selten allein

Shownotes

ADHS kommt selten allein. Depressionen, Ängste, chronischer Stress oder problematische Mediennutzung: Viele Menschen kämpfen mit diesen Herausforderungen, ohne zu wissen, dass ADHS eine Rolle spielen könnte. In dieser Folge zum ADHS Awareness Month beleuchten wir die häufigsten Begleiterkrankungen von ADHS und die Zusammenhänge, die im Alltag oft verborgen bleiben. Gemeinsam mit führenden Experten sprechen wir darüber, warum Menschen mit ADHS häufiger von Depressionen und Angststörungen betroffen sind, weshalb Stress zur Dauerbelastung werden kann und welche Rolle digitale Medien bei der Suche nach Stimulation spielen.

Unsere Experten:

• Dr. med. Astrid Neuy-Lobkowicz • Prof. Dr. med. Andreas Menke
• PD Dr. med. Daniel Alvarez-Fischer • Dr. med. Christian Konkol • Dr. med. Alexander Gort-Golzarandi In dieser Folge erfahren Sie: • Warum ADHS häufig mit Depressionen und Ängsten einhergeht • Weshalb Grübeln und Überforderung zur Belastung werden können • Warum chronischer Stress Menschen mit ADHS besonders fordert • Welche Rolle Gaming, Social Media und digitale Medien spielen • Weshalb die richtige Einordnung für viele Betroffene ein Wendepunkt sein kann

Eine Folge für alle, die ADHS besser verstehen möchten und sich fragen, ob hinter Depressionen, Ängsten oder ständiger Überforderung vielleicht mehr steckt. Weitere Informationen zu ADHS und möglichen Begleiterkrankungen finden Sie auf unserer Website: https://gemeinsam-adhs-begegnen.de/leben-mit-adhs/erwachsene/komorbiditaeten/?mtm_campaign=Podcast-Folge_adhs_kommt_selten_allein&mtm_source=podcast&mtm_medium=audio&mtm_content=metadaten&mtm_group=gemeinsam_adhs_begegnen&mtm_placement=shownotes

Weitere Informationen zum Thema ADHS finden Sie unter www.gemeinsam-adhs-begegnen.de, www.expertenrat-adhs.de oder www.medice.com.

Transkript anzeigen

00:00:03: Mensch, ich bin nicht faul.

00:00:12: Ich bin nicht dumm.

00:00:14: Ich hab einfach

00:00:15: ADHS.".

00:00:15: Das war Professor Andreas Mehnke der in unserer Ausgabe ADHS Stress und der Weg zu Uhe nicht nur darauf hingewiesen hat wie wichtig eine ADHS Diagnose für die Betroffenen ist gibt sie endlich die Möglichkeit zur Einordnung und des Verstehens sondern auch für Behandelnde.

00:00:33: ADHS ist häufig mit anderen psychischen Erkrankungen assoziiert.

00:00:38: Etwa achtzig Prozent der ADS entwickeln weiterseeliger Erkrankungen, mindestens eine.

00:00:43: Fünfzig Prozent zwei und mehr.

00:00:44: Und es ist ein vorwiegend eben Depressionen, Angststörung, Suchterkrankungs-Störung.

00:00:50: Die spielen natürlich ineinander, wobei der große Unterschied das muss man immer erklären.

00:00:55: Das ADS haben sie ihr Leben

00:00:56: lang.".

00:00:57: Doktorin Astrid Neulogcovitz zur Präverlinz von psychischen Komorbiditäten bei ADAS.

00:01:03: Ja, und mit diesem zweiten Zitat sind wir mittendrin in unserer besonderen Ausgabe zu einem besonderen Monat.

00:01:09: Es ist Oktober der ADAS Awareness-Monat.

00:01:13: Wir schauen mit Zitaten unserer Expertinnen aus unterschiedlichen Folgen ADAS kein Grund zur Panik aus der Praxis für die Praxis auf die möglichen psychiatrischen Coomorbiditäten also Begleiterkrankungen, die mit einem ADAS einhergehen können.

00:01:29: Der Grund für dieses Zusammengehen liegt in den Symptomen, die ADHS mit sich bringt wie Prof.

00:01:35: Minke erläutert.

00:01:36: ADHS führt zu einer Menge Symptome, die eine Menge Kraft und Energie kosten.

00:01:41: also ich habe ganz viele Gedanken ankommt.

00:01:43: Die Gedanken sind überall quasi und ich mache auch ganz viel.

00:01:47: Ich lass mich sehr leicht ablenken.

00:01:48: Ich fang hier was an, ich fang da etwas an.

00:01:50: Ich gehe in die Küche um irgendwas zu holen komme etwas ganz anderem zurück und hab dann wieder schon Gedanken an die Arbeit usw.. Organisationen ist ein großes Problem, wo es immer wieder hakt und das führt zu weißeren Problemen.

00:02:03: Das heißt durch die ganze Symptomatik habe ich eine Menge Stress.

00:02:08: Und wie gehe ich dann mit dem Stress um?

00:02:10: Bedauerlicherweise kann ich mit ADHS nicht so gut mit Stress umgehen und eben deswegen gibt es dann Risiko für weitere Erkrankungen wie zum Beispiel Depression oder auch Suchterkrankung.

00:02:22: Bevor wir nun auf die unterschiedlichen Erkrankungen eingehen, möchte ich mit einem Zitat von Privatdozent Dr.

00:02:28: Daniel Alvarez Fischer – mit ihm habe ich unter anderem zwei Folgen zu ADRS und Depressionen aufgenommen – weitermachen.

00:02:35: Er zeigt, dass es zwar ein erhöhtes Risiko für psychische Begleiterkrankung bei ADRS gibt aber das ist das ADRS erkannt!

00:02:44: Es eben auch gute Behandlungsstrategien gibt.

00:02:49: Historie eines ADHS in der Geschichte, sondern die Symptomatik einer ADHS.

00:02:57: In der Geschichte also.

00:02:58: mit anderen Worten wenn es nicht mehr symptomatisch ist oder behandelt ist dann erhöht die Wahrscheinlichkeit eine adhs zu haben nicht mehr das entstehen einer Depression.

00:03:09: ich glaube dass es eher darauf ankommt welche Strategien Betroffene erlernt haben und diese Strategien wirken sich dann günstig oder ungünstig auf die Entwicklung einer Erkrankung aus.

00:03:23: Meine persönliche Schlussfolgerung ist, Patienten regelmäßig zu sehen und dem Patienten auch zu erklären warum weil es eben doch mehr ist als nur ein Rezept über den Dresen reichen sondern einfach die Möglichkeit zu geben Gespräch zu führen das eben regelmäßig anzubieten dabei dann immer auch wachsam zu sein und dann eben möglichst früh intervenieren zu können.

00:03:49: Schauen

00:03:49: wir zunächst auf Suchterkrankungen.

00:03:52: Diesen haben wir uns in unterschiedlichen Episoden gewidmet, einerseits den stoffgebundenen Süchten andererseits aber auch dem Abhängigkeitspotenzial von Social Media und Computerspielen.

00:04:03: Maßgeblich ist diese Suche nach Stimulation für ADHS-Lang.

00:04:07: Also die Suchen nach Stimmulation und bekommen sie in diesen Spielen sehr rasch.

00:04:13: Vor

00:04:13: dem Hintergrund ist das so, dass Sie dann tatsächlich maximale

00:04:16: Ablenkung haben, maximalen Hyperfokus

00:04:19: auf maximale Nebenbaustellen.

00:04:21: also schlechte Organisationsfähigkeit trifft Impulsivität,

00:04:24: trifft Hyperfokuss.

00:04:26: Es ist schon wirklich, wirklich schwierig.

00:04:28: Und das weitere Problem ist, dass die sofort die Belohnung bekommt.

00:04:33: Also es hat was mit Dopamin und Belohnung zu tun, das ist genauso wie bei den Stoffgebundenen Süchten.

00:04:38: Es hat etwas mit

00:04:39: die

00:04:40: reale Welt wo sie oft Schwierigkeiten erleben auch ein bisschen zu verlassen damit zu tun also sich in eine selbst gewählte virtuelle

00:04:49: Welt zu flüchten

00:04:50: und da auf einmal

00:04:51: auch

00:04:52: Anerkennung zu haben und vielleicht auch Erfolge zu haben.

00:04:55: Sie kriegen

00:04:55: oft Rückmeldung,

00:04:56: dass sie nicht ausreichend sind.

00:04:58: Nicht funktionieren usw.

00:05:00: Und dadurch sind die frustriert.

00:05:01: und auf einmal in der Gaming-Welt.

00:05:03: da können ADHS Betroffene sehr gut mit umgehen.

00:05:05: Diese ganzen Reize und so finden die total angenehm.

00:05:09: Das finden die extrem stimulierend und kommen damit sehr gut klar und haben dann auch Erfolge.

00:05:16: Die Erfolgen wollen natürlich weiter herstellen und immer wiederholen.

00:05:20: Klar!

00:05:21: Bei den stoffgebundenen Süchten würde man natürlich so herangehen und sagen, du musst den Stoff weglassen.

00:05:26: Dann gibt es am Anfang eine Phase wo's dir schlecht geht.

00:05:28: das können wir versuchen mit Medikamenten irgendwie auszugleichen Und dann darfst du halt nie wieder den Stof konsumieren, dann wirst Du abstinent sein und dass ist gut.

00:05:36: Wir können vom

00:05:37: Internet und all den Dingen nicht mehr abstinent sein.

00:05:40: Dementsprechend müssen wir das in die Behandlung mit reinnehmen.

00:05:43: und da habt ihr Verhaltenstherapie eigentlich ganz gute Konzepte sich selber zu regulieren

00:05:47: um

00:05:48: Eine Kontrolle über das zu bekommen, weil das Problem ist ja der Kontrollverlust.

00:05:53: Ich habe nicht mehr die Kontrolle meinen

00:05:54: Medienkonsum.".

00:05:56: Das waren Dr.

00:05:56: Christian Konkohl und Dr.

00:05:58: Alexander Gott-Golzarandi.

00:06:00: Die beiden haben aus der Perspektive des Erwachsenen und des Kinder- und Jugendpsychiatis auf das Thema Mediensucht bei ADHS geschaut.

00:06:08: Eingangs haben wir gehört dass auch die Depression häufig mit ADHS einhergehen kann.

00:06:14: So erlebt es Professor Andreas Meke auch in seinem Klinikalltag.

00:06:18: Zum Beispiel bei uns in der Kliniken nehmen wir ganz viele mit einer Depression auf und irgendwann im Aufenthalt denken wir, das ist noch mehr und da liegt der Depression was zur

00:06:26: Grunde.".

00:06:27: Wie

00:06:27: Depressionen und ADHS zusammenhängen?

00:06:30: Und warum das eine differenzierte Diagnose zunächst erschwert, erklärt Dr.

00:06:34: Alvarez Fischer.

00:06:35: Das liegt vor allen Dingen an der enormen Symptomüberschneidung.

00:06:38: also nehmen wir Konzentrationsstörungen unruhe Reizbarkeit, Stress in Toleranz, emotionale Dysregulation, negative Selbstbild gestörter Schlaf.

00:06:51: Alles ADHS?

00:06:51: Ja

00:06:52: und alles Depressionen.

00:06:53: Okay!

00:06:54: Und das macht es zu schwierig.

00:06:55: Im Querschnitt können die Erkrankungen sehr ähnlich aussehen.

00:07:00: wenn man dann aber weiter fragt Antriebsstörung Suizidgedanken Schuldgefühle depressive Kognition Appetitverlust Libido Verlust Das sind Ehrsymptome, die man, und es gibt sicherlich noch weitere.

00:07:14: Die man in der Depression zuordnen würde und nicht einem ADHS.

00:07:19: was natürlich immer wenn man sagt das ist eine Depression.

00:07:21: Eine ADHS von vornherein nicht ausschließlich.

00:07:25: Diese Symptome die ich genannt hatte Unge-Reizbarkeitsstressintoleranz bei einer Depression treten die nur in den depressiven Phasen auf Und bei einer ADHS halt eben oder einen komorbiden ADHS auch außerhalb dieser depressiven Phase.

00:07:40: Und diese Symptome müssen eben auch rückverfolgbar sein, bis in die erste Limpsdekade.

00:07:45: Wir haben in unserer Sendung auch immer wieder Betroffene, die ihre Erfahrungen mit uns teilen zu Gast und ehrlicherweise erlebe ich diese trotz sehr herausfordernder Biografien in der Regel als humorvoll und positiv.

00:08:01: Wieso erleiden Sie dennoch häufiger Depression?

00:08:04: Also es ist nicht so dass ADHS-Patienten von vornherein irgendwie negativer eingestellt werden oder negativer Dinge attribuieren würden.

00:08:13: Jetzt kann es ja sein, wenn ich einen Fehlschlag habe und mir was nicht gelingt dann brauche ich irgendeine Strategie damit umzugehen.

00:08:20: und da gibt es positive Strategien also zum Beispiel auch Mensch.

00:08:25: das ist mir jetzt nicht so gut gelungen aber dafür habe ich ja schon ganz viel anderes erreicht.

00:08:30: oder naja dass ist mir nicht gelungen.

00:08:32: Aber wenn ich's vielleicht noch mal probiere Dann hab' ich eine gute Chance, dass es mir gelingt.

00:08:38: Es ist mir nicht gelungen, aber ich kann ganz viel daraus lernen.

00:08:41: Das war trotzdem nicht umsonst.

00:08:42: Das wären so positive Strategien wie wir mit Missverfolgen umgehen und dann gibt es negative Strategien das wären so katastrophisierende Gedanken.

00:08:51: oh mein Gott wenn mir das schon nicht gelogen ist was soll man denn überhaupt gelingen?

00:08:55: oder das ist mir nie gelungen.

00:08:58: das ist ja immer bei mir so und da scheint es so zu sein dass Menschen mit einem adhs eher dazu neigen, solche maladaptiven Strategien anzuwenden.

00:09:10: Und das würde dann eben auch die Entwicklung einer möglichen Depression erklären.

00:09:15: Wenn man sich anguckt was unterhält quasi die Depression oder was begünstigt die?

00:09:21: Dann ist es vor allen Dingen grübeln, katastrophisieren tatsächlich vielleicht so eine Grübelneigung als Hauptmerkmal für die Entwicklung von Depression.

00:09:32: Dass bei Menschen mit einer ADHS Ausgeprägter ist.

00:09:36: Krübeln ist ja richtig, richtig kräftezehrend.

00:09:40: also man braucht sehr viel Energie die beim krübelen verloren geht.

00:09:46: Krübeln is anstrengend, krübe es ineffektiv.

00:09:50: Krühbeln iss tatsächlich sehr schwer zu durchbrechen wenn man einmal in so grübelt schleifen

00:09:55: ist.

00:09:55: Eine ADHS-Diagnose ist eine wichtige Säule um diese Grübeltschleifen zu durch brechen.

00:10:00: Dazu auch noch mal Professor Andreas Mieg.

00:10:02: Dann machen wir eine Testung und sehen, der Patient hat ein ADHS.

00:10:05: Und dann sind die Patienten erst einmal überrascht aber auch positiv überraszt weil dann haben sie endlich eine Erklärung wie so ist einiges in ihrem Leben gelaufen.

00:10:15: Mit einer gelungenen ADHS-Therapie kann Stress reduziert werden?

00:10:19: Die Betroffenen sind am Ende weniger anfällig für andere psychische Erkrankungen.

00:10:25: Erinnern Sie sich an die Vielzahl möglicher Begleiterkrankung Wie sie Dr.

00:10:30: Neulobkovitz zu Beginn aufgezählt hat, neben Suchterkrankungen, Depressionen und Essstörungen gehören auch Angsterkrankungen

00:10:37: dazu.".

00:10:38: Mit Daniel Alvarez Fischer haben wir auch dazu eine Schwerpunktfolge produziert.

00:10:43: Wir wissen aus Registerstudien, dass Angsterkrankungen etwa neun bis zehnmal gehäuft bei Patienten mit ADHS vorkommen.

00:10:52: Das beginnt halt im Kindesalter und in der Adolescence.

00:10:56: Angsterkranken sind tatsächlich Erkrankungen die Lebensqualität von Patienten sehr massiv beeinträchtigen.

00:11:03: gleichzeitig ... gehören Angsterkrankungen zu den psychischen Erkrankungen, die man wahrscheinlich am besten behandeln kann.

00:11:09: Das was Patienten lernen müssen in der Psychotherapie und im psychotherapeutischem Gespräch ist einen anderen Umgang mit der Angst zu finden.

00:11:17: Es wird niemand geben, der Ängste wegmacht!

00:11:20: Ich werde es nicht schaffen dass die Angst weggeht aber die gute Nachricht darauf kommt gar nicht an sondern geht um den anderen Umgang mit der angst Und dann brauche ich auch gar keine Angst mehr vor der Angst zu haben.

00:11:34: Sondern, ich weiß ja dass ich mit der Angst umgehen kann und dann wird die Angst tatsächlich habituieren über die

00:11:39: Zeit.".

00:11:40: Und mit diesem Zitat sind wir am Ende unserer etwas anderen Ausgabe anlässlich des ADHS Awareness Monats.

00:11:47: Ich nehme mit das es eine Menge Herausforderungen im Kontext Begleiterkrankungen und ADHS gibt aber auch dass es gute therapeutische Wege gibt, diesen Herausforderungen zu begegnen.

00:12:02: Danke, dass Sie reingehört haben!

00:12:04: Machen sie es gut und ich freue mich wenn wir uns wieder hören bei der nächsten Ausgabe von ADAS.

00:12:09: Kein Grund zur Panik aus der Praxis für die Praxis Bis dahin.