ADHS bei Frauen: Mehr als nur das Träumerchen

Shownotes

Viele denken bei ADHS an auffällige Kinder. Doch bei Frauen sieht es oft ganz anders aus.

Nicht laut. Nicht störend. Sondern: angepasst, kontrolliert und innerlich ständig in Bewegung.

In dieser Folge erfährst du:

• Warum Hyperaktivität bei Frauen oft unsichtbar bleibt • Wie Betroffene lernen, ihre Symptome zu kompensieren • Welche Anzeichen du im Alltag erkennen kannst • Warum viele Frauen zuerst mit Erschöpfung oder Depression auffallen • Welche Rolle Hormone und gesellschaftliche Erwartungen spielen

Vielleicht erkennst du dich in mehr Punkten wieder, als du denkst.

Besonders spannend: Viele betroffene Frauen wirken nach außen organisiert, leistungsfähig und empathisch und kämpfen gleichzeitig mit innerer Unruhe, Überforderung und Impulsivität.

Diese Folge hilft, hinter die Fassade zu schauen.

Weitere Informationen zum Thema ADHS bei Frauen finden Sie hier: https://gemeinsam-adhs-begegnen.de/leben-mit-adhs/frauen-und-adhs/?mtm_campaign=Podcast%20ADHS%20bei%20Frauen&mtm_source=Spotify%20Amazon%20Apple&mtm_medium=Online

Expertin: Dr. med. Andrea Boreatti, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Lohr am Main

Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:11: Zappelfillip oder Träumerchen.

00:00:14: Diese beiden Umschreibungen charakterisieren gemeinen mögliche Fanotypen von Menschen mit ADAS, aber nicht nur das!

00:00:21: Sie verbinden nämlich Verhalten auch mit Geschlecht hier die Jungs hyperaktiv da die Mädchen passiv verträumt.

00:00:30: Damit können diese Umschreibungen der Realität einer Spektrumstörung kaum gerecht werden.

00:00:36: Und schon gar nicht können sie eine gender-sensiblen Betrachtung standhalten, denn natürlich können auch Jungs oder Männer mit ADRS verträumt sein und Mädchen bzw.

00:00:44: Frauen hyperaktiv.

00:00:47: Aber hier scheint es eine Lücke in der Wahrnehmung auch bei Behandelnden zu geben.

00:00:52: Aufmerksam auf dieses Thema geworden sind wir in der Redaktion übrigens über eine Nachricht die uns von einer Zuhörendin erreicht hat.

00:00:58: Sie schreibt dass sie kaum Informationen über hyperaktiv impulsives ADHS ohne Aufmerksamkeitsstörungen bei Frauen findet.

00:01:07: Und weil dieses Thema super interessant und in unseren Augen relevant ist, für die Praxis haben wir die Nachricht als Anlass genommen und präsentieren eine Folge Genau zu diesem Thema.

00:01:17: Schön, dass Sie reinhören und schön auch das mir unsere Expertin zugeschaltet ist Doktorin Andrea Boriati Fachärztin für Psychiatrie niedergelassen in Lohr am Main Und ich sage erst mal Hallo Doktorin Boriatti

00:01:31: Ja auch hallo und vielen Dank für die Einladung Zu dieser ja insgesamt sehr gelungenen Senderei.

00:01:36: Ich freue mich

00:01:37: Ich freu mich auch und Sie sind Wiederholungstäterin, das werden unsere vielhörigenden wissen.

00:01:41: Und gerade des Thema Frauen- und ADAS haben wir in unterschiedlichen Perspektiven schon mal beleuchtet!

00:01:47: Ich habe ja eben diese beiden klassischen Typen – man könnte fast sagen Stereotypel genannt – aber irgendwie muss da schon länger klar sein dass bei einer Spektrumsstörung nicht nur zwei solche Ausformungen daherkommen können.

00:02:03: Warum hat sich dieser Blick auf ADAS?

00:02:06: überhaupt entwickelt und ja auch manifestiert ein Stück

00:02:10: weit.

00:02:11: Also eigentlich geben Sie mir da gerade schon eine Steilvorlage, nämlich wenn sie sagen das sind so die zwei klassischen Typen.

00:02:16: Und es ist ja auch tatsächlich so dass das ganz viele Leute und auch Behandler tatsächlich noch in ihrem Kopf abgespeichert

00:02:24: haben

00:02:24: weil's eben wie anfangs gesagt der Zappelfillip und des Träumerchen is.

00:02:30: oder wenn jemand den Hans Kuck in die Luft kennt dann auch dieses.

00:02:36: Aber

00:02:36: mit dem Blick auf Frauen war lange Zeit, finde ich tatsächlich ein bisschen schräglage und Ich bin auch sehr froh dass das Thema noch mal nachgefragt wird.

00:02:46: Es ist natürlich jetzt eine Mutmaßung warum sich das so entwickelt hat aber meine mutmaßungen ist Mit dem Wissen, das ja generell zumindest im Erwachsenenalter der Mischtypus die häufigste Form der ADHS ist.

00:03:02: Also dass beides ausgeprägt ist.

00:03:04: Das Hyperaktive und das Verträumte.

00:03:07: also mit diesem Vorwissen ist natürlich schon klar, dass Betroffene, die hyperaktiv sind eher auffallen.

00:03:17: wenn jemand still sitzen kann und ich sag mal nett vor sich hinträumt dann stört er ja erst einmal nicht.

00:03:23: Aber wenn jemand stört, ins Wortfeld unruhig ist, dann zieht das Aufmerksamkeit auf ihn.

00:03:31: Und natürlich hat sich auch unsere Gesellschaft in eine Richtung entwickelt, dass man sich im Alltag weniger bewegt und schon die Kinder mehr stillsitzen müssen.

00:03:41: Und womöglich ist es so, dass Mädchen anders erzogen werden?

00:03:48: Erzogen wurden, aber ein Stück weit eben auch noch werden.

00:03:51: Also restriktiver, schneller korrigiert worden wenn sie unruhig sind.

00:03:57: bei einem Jungen glaube ich toleriert man das auch heute noch ein stückweit eher bis hier mit so sprüchen wie ist halt eine junge dass machen jungs so?

00:04:08: und bis heute sind ja solche stereotypen wie Sie sagen nicht ganz aus der welt geschafft.

00:04:15: Also es gibt viele schöne Berichte, wo noch mal so festgelegte Rollenbilder bis heute in unsere Zeit auch untersucht und dargestellt wurden.

00:04:27: Dass sich so wahnsinnig viel im Alltag gar nicht immer geändert hat.

00:04:32: Und dann haben das viele eben auch gar nicht auf dem Schirm des Hyperaktive bei Mädchen!

00:04:38: Ich habe es eben gesagt, Sie sind Wiederholungstäterin und wir haben das Thema ADRS und Frauen als Überschrift mit unterschiedlichen Schwerpunkten behandelt.

00:04:45: Und ich muss gerade an etwas denken was sie gesagt haben dass wir natürlich eine socio-kulturelle Prägung haben.

00:04:50: Wir haben da ein Korsett von der Gesellschaft.

00:04:53: Wie hat Frau... wie hat Mann zu sein?

00:04:55: oder Was darf man?

00:04:58: Was darf Frau?

00:05:00: Ich hoffe, ich erinnere es richtig.

00:05:01: Aber ich meine mich zu erinnern, dass Sie auch mal gesagt haben wenn sie Patientinnen in der Praxis haben... Nein!

00:05:07: Patientinnen!

00:05:09: Ich muss jetzt auf die Damen und Frauen fokussieren.

00:05:12: also wenn sie Patienten in der praxis haben, dass sie oft merken das diese hyperaktive Komponente gelernt haben besser zu kompensieren, zu verstecken.

00:05:23: Also sie sitzen auf den Händen und schlagen die Beine übereinander um sich quasi selber zu fixieren.

00:05:31: Ist das dann wirklich so eins-zu-eins abzuleiten von der sociokulturellen Prägung?

00:05:36: Und wenn es das nicht gäbe, dann würde die Störung auch bei allen ähnlich äußern.

00:05:43: Das ist sicherlich ein Aspekt, aber wie es halt immer so ist.

00:05:51: Die einfache Lösung gibt's vielleicht nicht.

00:05:53: also wir wissen ja grundsätzlich auch aus Verhaltensforschung das Mädchen und Frauen eher internalisierend verarbeiten und Jungs und Männer er externalisieren und dass dann weiblich Betroffene eine Hyperaktivität besser kompensieren können, das mag schon sein.

00:06:15: Aber generell kompensieren Frauen einfach besser, ja?

00:06:19: Also es geht jetzt für mich auch gar nicht nur darum zu sagen so viele Frauen sind rein hyperaktiv.

00:06:27: Sondern der häufigste Typ ist der Mischtyp wo beides vorkommt.

00:06:31: Man muss das aber auf dem Schirm haben und sich auch nicht wenn Patienten in die Praxis kommen und oft sagen ich habe ein ADS, Kinder haben eine ADHS, aber ich hab das hyperaktive nicht damit einfach abspeisen lassen.

00:06:46: Oder auch, wenn Patientinnen eben kommen und sagen ich finde mich mehr oder es macht mir zumindest im Alltag mehr Probleme die hyperaktive Komponente dann sollte man da offen sein weil wie gesagt Ich glaube Frauen kompensieren insgesamt besser.

00:07:05: Auch die Verträumten auch Die unkonzentrierten können sehr viel mit Willen und Disziplin ausgleichen.

00:07:14: Jetzt gehen wir ganz viele Dinge durch den Kopf, nämlich zum einen wieder mal die Frage der Trennschärfe.

00:07:19: also wie definiere ich überhaupt dann die Aufmerksamkeitsdefizitstörungen jetzt ohne die Hyperaktivität?

00:07:25: Weil wie Sie gesagt haben auch das erlernt man ja zu kompensieren!

00:07:29: Wie definier ich die

00:07:30: Hyper-Aktivität?!

00:07:31: Also das ist das eine des andere wo ich gerade noch dran denken musste den Bayer's den Behandelnde vielleicht auch haben... Ich habe mal ein komplett anderen Kontext über Leberzerose gesprochen mit einem Experten, mit dem Hepatologen und der sagte ganz oft Übersehenbehandelnde dass Frauen auch Alkoholabusos betreiben können.

00:07:52: Alkohl abhängig sein können weil man nicht dieses Bild davon hat wenn die gepflegt auftreten dann ist es raus aus der Wahrnehmung.

00:07:59: das schoss mir gerade so durch den Kopf.

00:08:03: ja heißt also da gibt's natürlich diesen.

00:08:05: Diese Vor-Eingenommen hat Heid, weil Sie sind ja genauso bestandter in der Gesellschaft.

00:08:09: Respektive sind ja im gleichen Kontext.

00:08:12: Wir spielen fysiologisch gesehen ... Weil wir haben auch schon mal über Hormone gesprochen da irgendwie eine Rolle.

00:08:18: oder wäre das zu simpel jetzt zu sagen Ja Frauen da der Hormon haushalt und deshalb äußert sich das anders?

00:08:25: Also erst mal zu ihrer Trennschärfe, wenn ich da

00:08:27: anfangen darf.

00:08:28: Bitte!

00:08:28: Das waren jetzt sehr viele Gedanken.

00:08:30: Ja

00:08:30: das waren viele Gedanken und auch ein gutes Beispiel mit der Leberzerose und dem Alkoholabusos.

00:08:36: Das kann man natürlich noch fortsetzen, auch über Herzinfarkt oder die Schlafabnö.

00:08:42: Aber grundsätzlich finde ich ist es alles gar nicht so... furchtbar speziell und unik.

00:08:48: Ja, weil egal ob wir jetzt von einer männlichen Depression oder einem weiblichen Herzinfarkt reden oder von der ADHS geht es ja in der Sache drum.

00:08:59: das ist was Gemeinsames haben muss.

00:09:01: also dass Kern Symptome ja erfüllt sein müssen aber Es ist eben eine Spektrum Störung Und da gibt's nicht die beiden klassischen Typen von bis sondern jeder kennt es ein bisschen.

00:09:14: Wenn Kernsymptome aber erfüllt sind, dann setzt es ja voraus.

00:09:17: Dass das überdauernd ist, dass es wirklich auch Einschränkungen macht in mehr als einem Lebensbereich und genau dann wird's vielleicht auch komplizierter weil natürlich wirklich ein sehr weites Feld ist.

00:09:31: Also bei jedem können sich diese Kernsymptome im Alltag, je nachdem wie der Alltag auch gelebt wird und er es eben beim Männern und Frauen auch noch deutlich unterschiedlich, können die sich anders darstellen also eine Herzinfarkt bei Mann und Frau ist jetzt auch kein himmelweiter Unterschied weil Man nennt es ja Herzinfarkt.

00:09:52: Und auch die Depression hat einen gemeinsamen Nenner, aber es stellt sich anders dar und das ist natürlich so schwierig, aber auch schön und spannend!

00:10:01: Aber auch nicht unnatürlich wie gesagt.

00:10:04: Also diese Spektrumstörung gerade in der Psychiatrie, das betrifft ja auch die Autismus-Spektrumstörungen, aber letztlich auch Angststörung.

00:10:13: Drum gilt's einfach genau hinzuschauen und das hyperaktive fällt eben bei der ADHS bei den Frauen oft hinten runter.

00:10:22: Und jetzt kann man drüber streiten, ob das tatsächlich dann so einen großen Unterschied macht.

00:10:27: Also der Unterschied fängt schon mal da an mit dem Bayes, den man vielleicht hat Man sieht nur was man kennt.

00:10:34: Ja also es macht ein Unterschied wer diagnostiziert und natürlich wenn eine Frau viel unter Hyperaktivität leidet, dann muss ich zumindest ja in der Psycho-Education und in der Psykotherapie er anders begegnen.

00:10:51: Jetzt komme ich auch noch zu den Hormonen die Sie angesprochen haben.

00:10:55: Da gibt es ja schon andere Podcasts zum Thema, die viel mehr in die Tiefe gehen.

00:11:00: aber natürlich wissen wir... dass auffällig viele Frauen mit ADHS auch unter ausgeprägtem prämenstuellen Syndrome leiten.

00:11:10: Das ist auch im Klimakterium, bei diagnostizierten Frauen oftmals noch an Fahrt aufnimmt, das die Beschwerden plötzlich gravierender werden.

00:11:20: Das ist ja jetzt auch nicht so überraschend, weil Österreichin und Dopamin ja auch miteinander zusammenhängen.

00:11:26: Und Dopamin eine große Rolle spielt bei der ADHS-Symptomatik.

00:11:31: Und Österreichin wiederum moduliert die Dopaminaktivität, weil es die Bildung und Freisetzung im Gehirn steigert, also Dopaminwirkungen forciert – verstärkt!

00:11:44: Und wenn das eben schwankt über den Zyklus, wo das Oestrogen erst hoch und in der zweiten Zyklushälfte runtergeht, dann macht es was mit den Frauen.

00:11:54: Natürlich hängt das irgendwie zusammen!

00:11:57: Ich würde gerne noch mal darauf zurückkommen, was Sie gesagt haben.

00:12:00: bei den internistischen Erkrankungen Der Herzinfarkte ist ja so ein Paradebeispiel weil sie haben recht – der infagt an sich da passiert beim Mann, bei Frau und bei allem was dazwischen liegt Immer das Gleiche.

00:12:11: Wir haben im herzmuskeligen Gefäß, ist verengt und durch Blutung gestürrt.

00:12:16: Jetzt mal ganz simpel gesagt!

00:12:18: Trotzdem gibt es ja ein Bayes- und ich behaupte jetzt mal... Das liegt daran dass die Medizin männlich geprägt ist.

00:12:26: in der Blickweise wir haben auf wie äußert sich der Herzinfarkt?

00:12:30: Und dann haben wir den Brustdruck Ausstrahlung in den linken Arm und das ist sehr typisch Bei Männern oder bei vielen Männern, auch wieder nicht bei allen.

00:12:37: Aber bei vielen Typische Symptomatik.

00:12:39: Frauen können eher einen diffusen Bauchschmerz zum Beispiel haben.

00:12:43: Das strahlt anders aus und wird deswegen oft dann übersehen.

00:12:46: Deswegen gibt es ja auch gender-sensible Medizin Dass Frauen hier mehr in den Fokus rücken.

00:12:52: Würden Sie sagen dass das im Kontext ADHS oder auch in der Psychiatrie wenn wir's weiterfassen Auch eine Herausforderung darstellt?

00:13:00: also da ist auch so ein Ich sag das jetzt noch mal, ein männlich dominierter Blick vorherrscht.

00:13:05: Oder herrschte?

00:13:06: Das war ja tatsächlich sehr lange so in der Diagnostik aber auch in der Therapie also dass in sehr viele Studien immer sehr viel mehr Männer einbezogen waren Auch bei Zulassungsstudien für Medikamente Dass da so das weibliche Geschlecht wenig berücksichtigt wurde.

00:13:25: Jetzt muss man gar nicht sagen groß War das gut oder schlecht.

00:13:28: Sie haben ja schon gesagt, die Hälfte der Bevölkerung sind mindestens Frauen und es wäre schon wichtig, sie zu berücksichtigen.

00:13:36: Aber das ist eben eine Entwicklung.

00:13:38: Also man hat auch lange geglaubt am achtzehnten Geburtstag löst sich ADHS in Wohlgefallen

00:13:43: auf.

00:13:44: Das können wir im Rückblick eigentlich gar nicht mehr wirklich nachvollziehen dass man davon ausgegangen ist aber gut ist er jetzt zu sehen.

00:13:53: Ja, dieses Fach der Gendermedizin gibt.

00:13:55: Das ist noch nicht so alt aber man fängt jetzt eben an sich damit zu beschäftigen und es ist ja sowieso schon alles kompliziert genug.

00:14:02: Sie sagen ja beim Herzinfarkt klassische Beschwerden Und natürlich ist es beim Individuum anders die Depressionen.

00:14:09: Es müssen Kernsymptome erfüllt sein Aber es gibt ja noch viele Begleitsymptome und wenn man das ich bin leider sehr schlecht in Mathe.

00:14:16: Wenn man das mal in der Wahrscheinlichkeitsrechnung durch rechnen würde Dann hätte man da sehr viele unterschiedliche Varianten, wie Depressionen sich bemerkbar machen kann.

00:14:26: Und beim ADHS sind wir vielleicht jetzt einen Schritt zurück aber wir sind dran und solche Sendungen wie hier machen ja auch Hoffnung.

00:14:33: also dass die Frauen, die betroffen sind, die wissen es eh schon Aber das sie dann auch auf den Gegenüber treffen, die das auch sehen und verstehen können

00:14:42: Das finde ich schon mal ganz, ganz wichtig.

00:14:44: Und das darf man ja lernen!

00:14:45: Sie haben es gesagt, man muss sich gar nicht bewerten in der Rückschau sondern einfach sagen so ist es, so war der Status quo und jetzt darf man daran arbeiten um zu lernen oder sensibel dafür zu werden.

00:14:56: Jetzt haben

00:14:56: wir

00:14:57: einen Phenotyp so ein bisschen fokussiert durch die Nachricht unserer Zuhörenden nämlich superaktive ADRS ohne eine Aufmerksamkeitsstörung bei Frauen.

00:15:07: wenn sie in ihre Praxis gucken fallen Ihnen da Betroffene ein?

00:15:12: Oder ist das super selten, also wie nehmen Sie das wahr.

00:15:16: Ja Herr Schiffbauer, rein das Hyperaktive ist sowieso relativ selten dass es isoliert vorkommt.

00:15:24: aber im Grunde spielt's keine Rolle ob jetzt eine Frau vor mir sitzt die nur das hyper aktive hat oder beides hat.

00:15:30: ja weil es erst mal wichtig des hyper aktives überhaupt festzustellen und die frau da ernst zu nehmen Es auch zu erkennen, wenn es die Frau selber gar nicht so recht weiß oder sie einfach nicht äußert, weil sie nicht auf die Idee kommt.

00:15:44: Weil sie auch einen Stereotyp im Kopf hat und... Auch in der Kinderbuchliteratur gibt es ja schon auch Beispiele, an denen man sich orientieren kann und mit denen sich dann Betroffene identifizieren.

00:15:59: Wir reden immer im Strubelpeter vom Zappelfilb- und Hanskuck in die Luft.

00:16:03: Da ist auch das zündende Paulinchen drin.

00:16:06: Aber es gibt natürlich auch die Pippi Langstrumpf und die Ronja Räubertochter.

00:16:11: Und sicherlich noch viele andere ... Also auch Bibi Blocksberg ist sehr ungewöhnlich und aktiv!

00:16:17: Und dass man da einfach nochmal hinschaut und nicht jeder ist aber so ja extrovertiert wie eben die Pipilangstrumpf.

00:16:26: Man könnte ja sagen, na gut wenn was kompensiert ist, wenn die Frauen das gut hinkriegen?

00:16:31: Ist es erst mal gut!

00:16:33: Ja, Kompensation ist schon gut, aber es ist auf Dauer eben nicht gut.

00:16:38: Also viele Frauen, die gut kompenzieren und Strategien entwickelt haben Auch bei der Aufmerksamkeitsstörung, aber gerade bei der Hyperaktivität wenn sie so eine permanente Unruhe zurückhalten oder lenken müssen ist es natürlich unglaublich kräftig zehrend.

00:16:59: Und wir wissen dass da viele Frauen auch mit anderen Beschwerden, mit Depressionen und Angststörungen zum Beispiel in die Praxis kommen und schlussendlich steckt aber ein ADHS dahinter.

00:17:12: Sie haben gefragt, wie sich das in der Klinik zeigt.

00:17:17: Die Hyperaktivität zeigen die Frauen, indem sie auf den Händen sitzen und sich zurücknehmen.

00:17:24: Die Fingernägel sind häufig ramponiert abgebissen oder auch sehr gut kaschiert, indem künstliche Nägel aufgeklebt sind um sich selber zu regulieren.

00:17:38: Die Frauen sind immer so subtil in Bewegung.

00:17:43: Schlingen die Beine um sich selber, spielen mit irgendwelchen Hargummies oder was sie mitgebracht haben und vor allem sind die auch sehr schnell.

00:17:54: also die Antworten schnell, die sind in ihrer Mimik- und Gestik dabei, die bewegen sich, die nicken eigentlich bei jedem Satz den Sie sagen, die fühlen sich ein Stück weit auch abgeholt.

00:18:06: Und jetzt gibt es natürlich mehr Patienten, die einen ins Wort fallen.

00:18:12: Aber wenn man das mal so ausprobiert, drei-, viermal auch im Gespräch.

00:18:15: Auch die Patientin zu unterbrechen.

00:18:18: Recht harsch der auch mal SWOT abzuschneiden?

00:18:21: Dann ist es für mich ein Hinweis, dass die ADHS-Patientinnen da überhaupt nicht sauer reagieren.

00:18:26: Sondern sie freuen sich vielleicht eher.

00:18:28: Auch wenn man sich hinterher mal drauf anspricht ... Ja, dann sagen die, ach, das hab ich gar nicht gemerkt.

00:18:32: oder es hat mich eigentlich gefreut, dass wir so schnell hin und her reden konnten.

00:18:36: Wir müssen ja gar nicht alles aussprechen!

00:18:38: Ich habe egewusst, worauf Sie hinaus

00:18:40: wollten.".

00:18:43: Da muss man einfach genauer hingucken.

00:18:46: Und dann muss man noch genauer nachfragen, weil so was Frauen natürlich auch oft peinlich ist!

00:18:52: Die schaffen es vielleicht sogar manchmal zumindest im ersten Kennenlerngespräch ihnen nicht so oft ins Wort zu fallen.

00:18:58: Aber wenn man mal fragt, was stört denn ihre Freunde oder die Familie?

00:19:03: Die Partner ... Dann sind das häufig auch charmbesetzte Dinge, die die Patientinnen nicht sofort schildern.

00:19:10: Also die fallen ja auch Freunden ins Wort.

00:19:13: Auch da vielleicht schaffen sie es auf der Arbeit noch, aber Freunden oder in Partnerschaften dann sagen die das ist ihnen peinlich weil sie so viel reden.

00:19:22: Weil sie vielleicht auch was preisgegeben haben, was sie gar nicht preis geben wollten?

00:19:26: Oder Sie haben das Gefühl, Sie überfahren andere.

00:19:29: Die sind zwar witzig, aber die anderen kommen gar nicht zu Wort und dann nehmen sich das manche Frauen auch vor.

00:19:35: heute rede ich mal nicht zuviel.

00:19:36: Heute frage ich mal eher ganz empathisch mein Gegenüber Und hinterher sind sie dann wirklich ja ein bisschen beschämt und auch frustriert, dass ihnen das nicht... gelungen ist, dass sie wieder nach vorne geschossen sind.

00:19:51: Dass Sie vor schnell auch gehandelt haben.

00:19:53: Also Dinge zusagen können ADH-Esslerinnen sehr gut und schnell weil die sind in der Regel empathisch und hilfsbereit.

00:20:01: aber dann haben die halt drei Verabredung zum selben Termin Weil den Terminkalender haben sie wieder nicht dabei Und dann schieben sie auf weil sie auch niemand enttäuschen wollen und absagen wollen.

00:20:11: Frauen haben ja schon auch eher so die Absicht zu gefallen, sozial gefällig zu sein.

00:20:18: Niemanden von Kopf zu stoßen und das macht es dann schwierig wenn dann die Verabredungen auflaufen oder näher kommen und sie können sich jetzt auch nicht entscheiden wen sie

00:20:28: absagen.

00:20:30: Frauen sind natürlich auch oft sozial kompetent, die so hyperaktiv auch sind.

00:20:35: Aber sie überfahren.

00:20:36: andere werden dann eben auch von ihrem Partnern zurechtgewiesen.

00:20:38: Auch Partner ist es in Gesellschaft oft peinlich weil die Frau vielleicht was Witze gesagt aber eigentlich vor schnell was dem Mann peinliche ist und nur die anderen witzig finden Und weil natürlich auch noch andere Komponenten eine Rolle spielen.

00:20:54: also Frauen mit so einer Hyperaktivität und Ungeduld, die sind auch mal schnell gereizt.

00:21:00: Weil den geht es permanent zu langsam.

00:21:04: Und das ist klar bei Freundin-Partnerschaft im Beruf aber das ist auch zu Hause mit den Kindern oft so.

00:21:12: Also Hausaufgabensituationen kennen die meisten Eltern, die vielleicht auch ADHS betroffene Kinder noch haben dass man da viel Geduld braucht.

00:21:21: Das ist

00:21:21: nicht die Königsdisziplin der ADHSler.

00:21:24: Und dann passiert es, Frauen, dass sie die Kinder antreiben.

00:21:28: Dass sie ein Stück weit ungerecht sind.

00:21:31: Ich sage, Mensch, das habe ich dir jetzt dreimal erklärt.

00:21:34: Wir wollten noch in Schwimmbad, wir könnten schon längst los sein!

00:21:37: Jetzt mach doch hin, warum bist du immer so lahm?

00:21:41: Also vorwürflich sind oder auch mal auf den Tisch hauen.

00:21:45: Richtig gereizt werden und es tut den Frauen hinterher leid.

00:21:49: Ja, das erzählen die auch nicht spontan im Erstkontakt.

00:21:53: Die haben das vielleicht selber in ihrer Kindheit erlebt und sagen, ich wollte es eigentlich besser machen.

00:21:58: Und jetzt passiert mir das auch.

00:21:59: die sind

00:22:00: wirklich

00:22:01: betroffen von ihrem Verhalten.

00:22:02: Das sind natürlich Herausforderungen auf vielen Ebenen.

00:22:05: Ich muss die ganze Zeit an das Rollenverständnis denken oder auch in der Partnerschaft Hoffentlich mehr als nur eine Mutter sozusagen.

00:22:13: Eine biologische Mutter ist da noch ne Partnerin, der sich dann hoffentlich auch um die Erziehung kümmern kann damit er Druck natürlich nicht nur bei einem lastet aber auch dieser Druck den sich die Betroffenen und das habe ich hier im Podcast ja schon mehrfach erfahren dürfen ja auch selber machen genau wie sie gesagt haben dass diese Überkompensation dieses Ich muss funktionieren weil es wird ja erwartet Und ich erwarte es auch von mir und und und Das sind so jetzt Ebenen die gesellschaftlich eine Rolle spielen.

00:22:43: Was wäre Ihnen denn wichtig?

00:22:44: Und Sie haben ja ein paar Dinge schon mehrfach benannt, das genauer hinschauen.

00:22:48: aber wenn sie jetzt so schauen uns hören ja auch KollegInnen zu vielleicht aus der allgemeinen medizinischen Praxis vielleicht aber auch Psychotherapeutin oder auch psychiatrisch tätige KollegInn was ist ihnen da wichtig für die Praxis als so zentrale Takeaways wie es Neudeutsch heißt damit diese Frauen eben nicht Ich sag jetzt mal übersehen werden, sondern auch eine adäquatrichtige Behandlung kriegen.

00:23:14: Ja also gerade wenn wir jetzt von der hyperaktivten Ausprägung auch sprechen dann sind es oft Patientinnen die schnell sind auch schnell im Kontakt und womöglich auch schnell wieder draußen weil sie haben's eigentlich, die müssen schon wieder zum nächsten Termin, die machen tak-tak-tack arbeiten im besten Fall ihre mitgebrachte Liste ab Und dass man einfach mal ein Auge dafür hat, wie erschöpft die Patientin ist.

00:23:42: Weil vielleicht ist das auch mal das Einzige was sie schildert, dass sie so erschöpfet isst Ob die immer auf dem Sprung iß Was sie so aus ihrem Alltag zumindest Also Hausärzte kennen ja zumindest bei uns aufm Land oft noch so.

00:23:54: die Familie Die Verhältnisse Wie viele Kinder sind da?

00:23:59: Wie zufrieden die Frau auch ist Dass man guckt wie schnell ist die und vielleicht Auch mal so in den Zwischentönen hört, ob die sich oft überfordert fühlt oder tatsächlich auch mal auf Substanzmissbrauch zur Kompensation.

00:24:17: Oder ob sie sich promiskuitiv verhält – das haben wir noch gar nicht angesprochen!

00:24:22: Aber das sind ja auch so scharmbesetzte Dinge... Das ist vielleicht auch so in Richtung Gynäkologie.

00:24:28: Ja, also dass Frauen mit einer hohen Impulsivität und Hyperaktivität das die sexuell oft sehr aktiv sind und aufgeschlossen sind.

00:24:40: Und dass es natürlich auch erst mal im Kennenlernen ein Reiz sein kann für den Partner.

00:24:47: Dass das sehr spannend ist aber im Alltag natürlich ... nachlässt und dann eher die Hyperaktivität mit ihren Nachteilen in den Vordergrund tritt oder das tatsächlich auch kompensiert wird durch Promiskuität.

00:25:03: Und die Partnerschaft einfach sehr schwierig wird, ja also dass man ja das augenscheinliche als mögliche Symptomatik einer ADHS erkennt und vielleicht wenn man Verdacht hat auch mal so ein bisschen des Schambesetztere einfach anspricht Und überhaupt mal die Frau drauf anspricht, ob sie schon mal an ADHS gedacht

00:25:24: hat.

00:25:24: Damit wird es dann anfangen und dann nehme ich mit braucht man natürlich auch wirklich eine vertrauensvolle Beziehung beziehungsweise einen vertrauenzvollen Kontext also natürlich in einem professionellen Rahmen aber dass die Patientin die Betroffene sich dann noch öffnet weil Sie haben's gesagt gerade bei diesen schambehafteten Themen Die lässt man ja wahrscheinlich nicht gerne nach außen.

00:25:45: Also insofern ist da wahrscheinlich eine gute Beziehung zwischen den Behandelnden und den Betroffenen hier eine wichtige Basis.

00:25:54: Mir raucht der Kopf, das sage ich nicht einfach so sondern ich hätte nicht gedacht dass das Thema so viele Facetten hat und das merke ich gerade aber Ich hoffe dass die zuhörenden Lust bekommen haben sich weil es diese vielen facetten hat diese vielen spannenden facetten Hat damit zu beschäftigen weil und das vielleicht noch auf der zielkran kann doch dann, was die Therapie angeht.

00:26:20: Auch wenn wir jetzt diese herausfordernder Gemengelage haben funktioniert die Therapiedemultimodale doch genauso erfolgreich in der Regel wie bei allen anderen Phenotypen oder?

00:26:32: Erst mal unterscheidet sich zumindest in der medikamentösen Behandlung nicht so wahnsinnig viel.

00:26:37: man ist ja sehr gut medikamenteus behandeln also verträglich und erfolgreich.

00:26:44: Es gibt so kleine Abweichungen ebenso im Rahmen der Zykluschwankungen.

00:26:49: Da kann man oft ein bisschen nachsteuern mit der Behandlung, das hilft tatsächlich sehr gut!

00:26:54: Auch die Methylfinidadpräparate, die länger retardierten mit einer Einnahme damit kommen viele Frauen auch gerade viele junge Frauen sehr gut zurecht.

00:27:04: Und ja, so das Multimodale.

00:27:07: Da ist es sogar so dass ich Frauen da als aufgeschlossener erlebe.

00:27:10: also viele Männer

00:27:11: natürlich auch Frauen

00:27:12: jetzt wollen wir auch nicht die Männer in einer Ecke nur stellen sind schon zufrieden dass eine Medikation so gut hilft und geben sich damit zumindest erst mal auch zufriedens.

00:27:23: Aber Frauen erlebe ich da eigentlich als aufgeschlossener für Hilfsangebote.

00:27:27: Das kann von der Selbsthilfe über Psycho-Education bis hin zu einer Psychotherapie sein und da macht es dann schon Unterschiede auch nach Geschlecht oder zumindest Alltagsstruktur, ob man da jemand vielleicht noch mal anders anbinden kann in eine Beratung.

00:27:49: Ich habe es gesagt, mir raucht der Kopf.

00:27:50: Er raucht immer noch ein bisschen so richtig aber in einem positiven Sinne.

00:27:54: ich finde das sehr angeregt und spannend und hab das Gefühl wir haben schon mindestens Inhalte für mindestens zwei weitere Folgen rund um das Thema.

00:28:03: Aber an dieser Stelle sage ich erstmal vielen Dank Andrea Boriati für ihre Zeit und ihre Expertise

00:28:09: Sehr gerne.